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Piraterie

Piraterie ist ein ernsthaftes Problem, das für Seefahrende, die heutzutage in vielen Teilen der Welt tätig sind, lebensbedrohend sein kann.

Nautilus setzt sich dafür ein, zu gewährleisten, dass Mitglieder ihrer notwendigen Arbeit unter den bestmöglichen Sicherheitsbedingungen nachgehen können – inklusive dem notwendigen Schutz und der nötigen Kompensation.

Die moderne Piraterie wird vom International Maritime Bureau (IMB) definiert als 'Akt des Enterns oder als Versuch, ein Schiff zu entern. Dies in der Absicht, Diebstahl oder irgendein anders geartetes Verbrechen zu begehen – und zwar in der offensichtlichen Absicht oder mit dem Potenzial, im Rahmen dieses Akts auch Gewalt anzuwenden.'

Der Golf von Aden

Die Piraterie im Golf von Aden stellt seit Langem ein signifikantes Problem für den Welthandel dar. Die Vorfälle erreichten 2010 ihren Höhepunkt, als die Piraten insgesamt 1’1181 Seefahrende von 53 Schiffen als Geiseln nahmen.

Die Anzahl der Überfälle durch somalische Piraten ist in den vergangenen Jahren erheblich gesunken. Dies dank den gemeinsamen Anstrengungen nicht nur von Firmen, welche sich die besten verfügbaren Managementpraktiken zu eigen gemacht haben, sondern auch von der European Union Naval Force Somalia (EU Navfor) Operation Atalanta und dem erhöhten Einsatz von privat verpflichteten, bewaffneten Sicherheitsleuten auf Schiffen.

Dennoch sind sich alle beteiligten Organisationen, die gegen die Piraterie im Golf von Aden vorgehen, einig, dass die Anzahl der Überfälle wieder ansteigen könnte, sollten die aktuellen Massnahmen gelockert werden.

Der Golf von Guinea

In den vergangenen Jahren haben die Überfälle durch Piraten an der Westküste von Afrika (im Golf von Guinea) stark zugenommen und zeigen sich bei ihrem Vorgehen oftmals als sehr gewalttätig. Die Situation unterscheidet sich deutlich von der somalischen Piraterie. Dies sowohl bezüglich der Hintergründe und der verwendeten Geschäftspraktiken als auch hinsichtlich der Kapazitäten der Regionalstaaten, gegen die drohende Gefahr vorzugehen.

Obschon es sich bei ihnen nicht um gescheiterte Staaten handelt, verfügen die an den Golf von Guinea grenzenden Nationen nur über limitierte Ressourcen. Und in der Zusammenarbeit fällt es den Ländern schwer, die Piraten – welche die Gefahren stetig grösser werden lassen – nicht nur als solche zu erkennen, sondern sie auch strafrechtlich zu verfolgen.

Reedereien sehen sich ausserstande, viele der bewährten Managementkonzepte anzuwenden, die zuvor eigens im Golf von Aden entwickelt worden sind, um den Seefahrenden und den Schiffen Schutz zu bieten. So sind Stacheldrahtzäune um das Deck, die ein Entern verhindern sollen, keine Option, da viele Schiffe in diesem Gebiet auf Schiff-zu-Schiff-Transfers angewiesen sind. Zudem finden viele der Attacken innerhalb der Küstengewässer statt, wo bewaffnetes Wachpersonal nicht erlaubt ist.

Deshalb ist es notwendig, einen neuen globalen Ansatz zu finden, um die Piraterie in diesem Gebiet zu bekämpfen und die dort arbeitenden Seefahrenden zu beschützen.

Asien und Südamerika

Die vom International Maritime Bureau (IMB) veröffentlichte Karte zu Piraterie und Bewaffnetem Raub 2017 zeigt Piratenüberfälle sowohl in Asien – insbesondere in den Gewässern rund um Malaysia, Indonesien und um die Philippinen – als auch in Südamerika. Dort insbesondere vor den Küsten von Guyana, Kolumbien, Ekuador und Peru.

Die Rechte von Seefahre

Seefahrende sollten über dieselben Rechte verfügen wie Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer an Land, die ihrem Job in einer sicheren und geschützten Umgebung nachgehen können. Deshalb ist es notwendig, Massnahmen für jene Fälle einzuleiten, in denen Seefahrende in Gebieten tätig sind, in denen Piratenüberfälle drohen.

Nautilus unterstützt Mitglieder, die sich weigern, in als stark risikobelastet eingestufte Gebiete zu fahren, und setzt sich dafür ein, zu gewährleisten, dass jene, die die Arbeit in diesen Gebieten übernehmen, adäquat entlöhnt und bestmöglich geschützt werden.

Via die Internationale Transportarbeiter-Föderation (ITF) ist Nautilus ein Teil des International Bargaining Forums (IBF), welches über ein Abkommen verfügt, das Seefahrende in von Piraten heimgesuchten Gewässern versichert.

Aktuell versichert das Abkommen Seefahrende im Golf von Aden, im Arabischen Meer und den Nordindischen Ozean ab. Dieses gewährleistet, dass:

  • Schiffe, welche diese Zonen durchqueren, erhöhte Sicherheitsmassnahmen implementiert haben (inklusive Orientierung an vorbildlichen Managementkonzepten)
  • Seefahrende das Recht haben, die Fahrt nicht fortzusetzen und auf Kosten des Unternehmens in ihre Heimat zurückgesandt zu werden
  • Schiffe zum Zwecke der Kollisionsvermeidung vom international empfohlenen Transitkorridor abweichen können, ohne dadurch die allgemeinen Geschäftsbedingungen für die Seefahrenden an Bord zu beeinträchtigen
  • Seefahrende ein Anrecht auf einen Bonus in der Höhe von 100% des Grundlohns und eine doppelte Entschädigung für den Fall einer Verletzung oder für den etwaigen Tod an einem beliebigen Tag haben, an dem das Schiff attackiert wird
  • Jedes attackierte Schiff den Vorfall an die internationalen Marinen meldet, die sich im nämlichen Gebiet aufhalten.
Schutz von Seefahrenden

Nautilus ist in Grossbritannien Mitglied des Warlike Operations Area Committees (WOAC). Dabei handelt es sich um eine dreigliedrige Organisation, die regelmässig Empfehlungen für Reedereien vorlegt, die in Zonen arbeiten, in denen kriegsähnliche Zustände herrschen. Diese Gebiete können grösser sein als jene, die international als verbindlich gelten.

Das Seearbeitsübereinkommen hält fest, dass Seefahrende das Recht haben, repatriiert zu werden, wenn sie es nicht auf einem Schiff dienen wollen, das eine Kriegszone aufsucht.

Allerdings erstreckt sich dieses Recht nicht auf Seefahrende, die in Gebieten arbeiten, die für Piratenaktivitäten bekannt sind. Die Gewerkschaft arbeitet mit der Branche zusammen, um zu gewährleisten, dass zusätzliche Rechte verordnet werden. Inklusive jene, die im obengenannten Abkommen aufgeführt worden sind.

Die Gewerkschaft unterstützt den Einsatz von bewaffneten Wachleuten auf Schiffen in Gebieten, die einem hohen Risiko ausgesetzt sind – so lange dies die Aufgaben und Verantwortlichen des Kapitäns nicht tangiert. Viele Länder haben bereits Gesetze erlassen, die es Schiffen erlaubt, in Hochrisikogebieten privat engagierte bewaffnete Wachleute in ihrem Register zu führen.

Die niederländische Regierung erlaubt dies indessen aktuell nicht und bevorzugt es, die Schiffe mittels ihrer eigenen Marine zu beschützen. Obwohl Nautilus im Grundsatz mit den Regierungen übereinstimmt, militärischen Schutz in von Piraterie bedrohten Hochrisikogebieten zu offerieren, ist es schon mehrfach vorgekommen, dass dieser Schutz nicht verfügbar oder unerschwinglich war. Wodurch die Schiffe ohne Schutz blieben.

Was sollte ich unternehmen, falls sich auf Piraterie treffe?

Sollte es zu einem Vorfall kommen, von dem Dein Schiff betroffen ist, dann sorge dafür, dass dieser gemeldet wird. Ohne genaue und aktuelle Informationen zu Piraterie und bewaffneten Raubüberfällen wird man das Ausmass des Problems und die Bedrohung für Seefahrende unterschätzen. Und die Unterstützung für Dienstleistungen – wie etwa jene der EU Naval Force Operation Atalanta – könnten künftig unter Druck geraten.

Mitglieder werden dringend dazu aufgefordert, sich mit dem Piracy Reporting Centre des International Maritime Bureau in Verbindung zu setzen. Dieses ist rund um die Uhr erreichbar – E-Mail: imbkl@icc-ccs.org / piracy@icc-ccs.org or Tel: + 60 3 2031 0014.

Was kann ich tun, um die Piraterie zu bekämpfen?

Nautilus wird das Problem der Piraterie auch weiterhin gegenüber den Regierungen zu Sprache bringen. Damit diese die Gefahren erkennen und Initiativen wie die Operation Atalanta weiterhin unterstützen und sich auch für langfristige Stabilisierungsprojekte in Ländern wie Somalia einsetzen.

Die Gewerkschaft arbeitet weiterhin mit Schiffseignern zusammen, um Druck auf die niederländische Regierung auszuüben. Dadurch soll erreicht werden, dass bewaffnete Wachleute auf Schiffen unter niederländischer Flagge zugelassen sind. Dies zumindest an Orten, wo die niederländische Marine nicht verfügbar ist oder wo deren Einsatz unerschwinglich wäre. Mitglieder der Gewerkschaft und Bürgerinnen und Bürger können hierzu auch beitragen, indem sie auf ihre eigenen Regierungsvertreter Druck ausüben, damit diese sich mit der Thematik beschäftigen.

Mitglieder können auch helfen, indem sie in ihren eigenen Gemeinden ein besseres Verständnis für die Bedrohung durch die moderne Piraterie anbahnen. Eine Rede vor lokalen Gruppen oder in Schulen kann dazu beitragen, das Profil des maritimen Sektors als Ganzes zu schärfen, aber auch auf die Gefahren für den Welthandel hinweisen, die diesem durch Piraterie drohen.

Seefahrende, die nicht Mitglied von Nautilus sind, werden dazu aufgefordert, der Gewerkschaft beizutreten, damit diese auf internationaler Ebene noch mehr maritime Berufsleute vertritt und so gewährleisten kann, dass deren Stimmen gehört werden – denn in einer grossen Zahl liegt Kraft.

Werde noch heute Nautilus Mitglied